Junge Radartisten nehmen Maß:
Scharfschuss mit dem Vorderrad

 

Steinhagens Radball-Nachwuchs lässt Traditionssportart wieder aufleben

 

Von Marcel Bohnensteffen
(Text und Fotos)
Steinhagen (WB). Wie Artisten balancieren sie auf den Pedalen, manövrieren ihre Räder durch einen engen Parcours, mit einem festen Lenkergriff bringen sie Geschwindigkeit und Gleichgewicht in Einklang. Finn Jürgensmann und Felix Hundeloh sind nicht etwa Künstler in der Zirkusmanege, sondern Radballer der Spvg. Steinhagen. Zusammen mit fünf Freunden lassen sie in der kleinen Turnhalle der Grundschule eine Traditionssportart wieder aufleben.

Die beiden 13-Jährigen haben maßgeblichen Anteil daran, dass erstmals seit 20 Jahren wieder eine Radball-Jugendmannschaft für die Sportvereinigung Tore schießt. »Die Abteilung stand praktisch vor dem Aussterben. Einige Senioren haben nach und nach aufgehört zu spielen, Nachwuchs gab es keinen. Praktisch aus dem Nichts sind dann Finn und Felix mit ein paar Freunden vorbeigekommen und wollten das unbedingt mal ausprobieren.« Trainer Michael Krebs ist froh über die Wiederbelebung der Radball-Sparte.
Was viele gar nicht wissen: Radball in Steinhagen hat eine lange Tradition. Seit mehr als 30 Jahren wird sie von der Hallenradsport-Gilde, der kleinsten Abteilung im Verein, betrieben. Fast ebenso lange gehen Michael Krebs, Thomas Peek und Michael Hauser hier ihrem sportlichen Hobby nach, haben Spvg. Steinhagen bis in die Verbandsliga Westfalen geführt, bevor sie in der vergangenen Saison mit der 1. Männermannschaft in die Landesliga abgestiegen sind. »Die Bedingungen sind eigentlich ideal. Im Umkreis von 40 bis 50 Kilometern wird Radball fast gar nicht angeboten. Was uns lange Zeit fehlte, war das Interesse der Kids«, macht der 2. Vorsitzende der Radsportabteilung deutlich.
Dank Finn Jürgensmann, Felix Hundeloh und Co. ist dies jetzt anders. Vor zwei Jahren haben die sieben Jugendlichen im Alter von zehn bis 15 Jahren erste »Stehversuche« auf den 2000 Euro teuren Spezialfahrrädern aus Chrom-Molybdän-Stahl gemacht, die eigens für Radballer hergestellt werden. Ohne Bremsen erfordern sie besondere Fahrkunst: »Die Spieler verringern ihre Geschwindigkeit durch eine starre 1:1-Übersetzung, indem sie blitzschnell von Vorwärts- auf Rückwärtsfahren umstellen«, erläutert Krebs die Grundtechnik. »Mit Hilfe des hornförmigen Lenkers und der waagerechte Sattelstütze verlagert der Spieler sein Gewicht mehr auf die Hinterräder, so dass er seine Balance hält.«
»Du bist hier angekommen und konntest gar nix. Wir mussten völlig neu Rad fahren lernen, lagen ständig auf der Erde. Das ist mit den Fahrrädern zu Hause überhaupt nicht zu vergleichen«, schildert Felix Hundeloh Eindrücke aus den Anfängen. Mit je zwei intensiven Trainingseinheiten pro Woche haben Felix und seine Kollegen technisch rasante Fortschritte gemacht. Das beweisen sie bei einem kleinen vereinsinternen Turnier, zeigen auf der 14 mal 11 Meter großen Spielfläche beim Spiel »zwei gegen zwei« erstaunliches Ballgeschick und verblüffende Schusstechnik. Nach einer ruckartigen Lenkerbewegung befördert das Vorderrad den mit Gras gefüllten Spielball knallhart in die Maschen des zwei mal zwei Meter großen Tores. »Konzentration und Körperspannung sind bei zweimal sieben Minuten Spielzeit so groß, dass man fix und fertig ist«, erklärt Michael Krebs, während er den Jungs bei deren waghalsigen Aktionen zusieht.
Was die Youngster an der vielen unbekannten Sportart so fasziniert? »Fußball spielt jeder Vierte in Deutschland. Beim Radball liegt der Reiz in der Seltenheit, viele wissen gar nicht, was das ist«, sagt Finn Jürgensmann. Nachdem der 13-Jährige durch Plakate und Berichte auf die Steinhagener Radball-Abteilung aufmerksam geworden ist, macht er mit Feuereifer mit. Neben mehreren Schulfreunden hat er auch seinen Bruder Jonathan (14) für Radball begeistert. Nach den Sommerferien nimmt das U17-Team zum ersten Mal an offiziellen Meisterschaftsspielen teil.
Für die Zukunft haben Finn Jürgensmann und Felix Hundeloh einen großen Wunsch: Mehr Präsenz ihrer Lieblingssportart im Fernsehen. »Auf DSF zeigen sie Radball manchmal zwischen zwei und drei Uhr in der Nacht - und das in der Woche, wenn wir es nicht sehen können.« Immerhin echte Vorbilder bei den »Profis«: In den vergangenen drei Jahren holte jeweils ein deutsches Duo den WM-Titel im Zweier-Radball.

 

Artikel vom 26.06.2008

21.7.08 19:19, kommentieren

An dieser Stelle einmal ein Gastkommenatr, der wegen seiner Genialität und seines Inhahlts einfach hierher gehört. Autor ist Jan Christian Müller, Redakteur der Frankfurter Rundschau.

 

Höhle des Löw

 

Alles anders, alles gut!

 

VON JAN CHRISTAN MÜLLER

 

 

Fußballspieler sind in der Regel hyper-abergläubisch. Erst den linken Schnürsenkel zu, dann den rechten, im linken Nasenloch popeln, danach erst im rechten, erst mit dem linken Fuß auf den Platz, dann mit dem rechten. Alles purer Aberglaube. Aber es gibt eben auch Ausnahmen.

Zumindest bei denjenigen, die früher mal Spieler waren. Also sagen Jogi Löw und Olli Bierhoff: "Wir sind nicht abergläubisch." Und deshalb ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auch genau dort untergebracht und trainiert im selben Stadion, in dem Erich Ribbecks Resterampe mit Loddar Matthäus an der Spitze vor acht Jahren das EM-Chaos strategisch perfekt vorbereitete.

 

Bierhoff war seinerzeit noch als Mittelstürmer dabei und hat mehr als nur einmal entnervt den Kopf geschüttelt über die Trotteleien, die sich Ribbeck damals so en passant leistete. Zum Beispiel die Sache mit dem Ordner. Während Co-Co-Trainer Erich Rutemöller das Aufwärmprogramm leitete, baute Co-Trainer Horst Hrubesch mit bunten Plastikhütchen einen Parcours auf.

Dem Chefcoach Erich Ribbeck war derweil langweilig, also schnappte er sich folgerichtig einen spanischen Ordner, beorderte den armen Mann ins Tor und bolzte ein paar Mal auf die Hütte. Dann war Rutemöller fertig mit dem Aufwärmen und dann hat sich Ribbeck an eine Übung erinnert, für die er die penibel angeordneten Hütchen von Hrubesch gar nicht brauchte. Das einstige Kopfballungeheuer hat seinen Parcours also wieder abgebaut und wird in diesem Moment gewusst haben, warum ein paar Wochen zuvor Uli Stielike aber so was von null Bock hatte, noch länger als Assistent von Ribbeck zu arbeiten. Es war eine Farce.

Jogi Löw hat übrigens jede Trainingseinheit bereits seit Monaten im Laptop. Und sogar sein Assi Hansi Flick ist eingeweiht. Alles wird gut.

4 Kommentare 20.7.08 20:57, kommentieren

Experten-Lob klingt wie Musik in den Ohren

 

Laufseminar mit Ex-Europameister Wessinghage: Volker Barmeyer gefällt das Wir-Gefühl

 

Von Marcel Bohnensteffen
Halle (WB). »Dein geringes Laktat zeugt von einem sehr guten Fitnessstand. Wenn du jetzt noch im Training und Wettkampf auf die strikte Einhaltung deiner Pulsfrequenz achtest, kann nichts mehr schief gehen.« Das Lob von einem absoluten Laufexperten dürfte bei Hobby-Athlet Volker Barmeyer wie Musik in den Ohren geklungen haben.

Der 33-Jährige vom LC Solbad Ravensberg peilt Mitte Mai den Marathon in Hannover an. Zur Vorbereitung nahm er an einem Laufseminar mit 5000-Meter-Europameister Dr. Thomas Wessinghage im Sportpark Halle teil.
Auf die Beine gestellt hatte die Veranstaltung der ehemalige Hermannslauf-Sieger Andreas Ewert, der seit sieben Jahren freundschaftliche Kontakte zu dem 22-maligen Deutschen Meister pflegt und viele der Teilnehmer aus seinem »Ewy sports«-Team kennt. Mittlerweile ist Dr. Wessinghage Leiter der Medical Park AG in Bad Wiessee am Tegernsee. Zudem leitet er Seminare. So wie das im Haller Sportpark, bei dem er den 33 Teilnehmern einen Weg zur effektiveren Trainingsgestaltung, stabileren Gesundheit und damit zu mehr Fitness und einer höheren Leistungsfähigkeit aufzeigte.
Volker Barmeyer war vom Auftreten Wessinghages begeistert: »Er hat sich sofort mit uns auf eine Ebene gestellt und jedem das Du angeboten. Diese lockere Atmosphäre hat sehr viel Vertrauen geschaffen.« Dies war auch nötig, schließlich wollte der 53-Jährige jeden Teilnehmer durch eine professionelle medizinische Betreuung voranbringen.
Zu Beginn bat Wessinghage am Freitagnachmittag jeden Athleten zum Selbsteinschätzungslauf, einem etwa zehnminütigen lockeren Dauerlauf, um im Anschluss das Ohrläppchen der Läufer anzuzapfen. »Die Laktatmessung ist die genaueste Methode zur Trainingssteuerung. Sie gibt präzise Erkenntnisse über den optimalen Pulsbereich eines jeden Sportlers«, erläuterte der »Laufarzt«. Ein Test, der auch für Volker Barmeyer von großer Bedeutung war. »Meine Messung hat zwei Mol ergeben. Jetzt weiß ich genau, dass ich bei meinen drei bis vier Trainingsläufen in der Woche um die 150 Puls laufen muss, und bei einer Wettkampf-Distanz von über 30 Kilometern die 170er-Grenze nicht überschreiten darf.« Schließlich will der Borgholzhausener bei seinem ersten Marathonstart »die Ziellinie sehen«.
Am Samstagmorgen ging es bereits um kurz nach acht Uhr mit dem Haller Wilhelm Richtung Quelle, von wo aus der Lauftrupp um Andreas Ewert - eingeteilt in drei Leistungsgruppen - auf eine »Long-jog-Distanz« über 8, 13 oder 18 Kilometer startete. Als Langstreckenspezialist nahm Volker Barmeyer die 18 Kilometer in Angriff. Während sich die Athleten unter Wettkampfbedingungen durch den Teutoburger Wald kämpften, filmten Dr. Wessinghage und sein Team jeden Teilnehmer, um am Abend anhand einer Videoanalyse Stärken und Schwächen im Laufstil festzustellen und etwaige Verbesserungsvorschläge zu geben. »Schließlich soll jeder mit möglichst wenig Kraftaufwand eine hohe Effizienz erreichen und dabei das Verletzungsrisiko minimieren«, erklärte Wessinghage das Ziel.
Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen des optimalen Trainings. Nach einem 30-minütigen Dauerlauf zeigte eine intensive Stretching-Schulung den Hobby-Athleten auf, dass ausgiebiges Dehnen Grundbestandteil vor jedem Lauf - ganz gleich ob Training oder Wettkampf - ist. Wessinghages Abschlussvortrag über Trainingssteuerungsmodelle waren für Volker Barmeyer dagegen nichts Neues: »Ich lese auch einige seiner Bücher und halte mich strikt an deren Trainingspläne.«
Beim abschließenden Mittagessen fachsimpelten die sportlichen Teilnehmer nochmals über die wichtigsten Trainingselemente. Gleichzeitig stießen sie aber auch auf ihr neugewonnenes Wir-Gefühl an. Denn diese Erkenntnis - das hebt Volker Barmeyer hervor - war wohl die wichtigste des gesamten Wochenendes: »Durch das gute Klima sind alle Athleten, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener, schnell ins Gespräch gekommen und haben ihre Tipps und Erfahrungen gegenseitig ausgetauscht.«

 

Artikel vom 08.04.2008

2 Kommentare 19.7.08 12:04, kommentieren

Die Fußball-Stars auf der Massagebank

 

Physiotherapeut Daniel Berger betreut die Profis - WM-Star Pauleta nach geheimer Therapie wieder fit

 

Von Marcel Bohnensteffen
(Text und Foto)
Versmold/Marienfeld (WB). Wie jeder Nachwuchskicker träumte auch er von einer glorreichen Profikarriere, von der C- bis zur A-Jugend stand er im Trikot des DSC Arminia Bielefeld vor dem Sprung auf die ganz große Fußballbühne. Doch eine Verletzungsmisere machte Daniel Berger frühzeitig einen Strich durch die Rechnung.

Stattdessen ist der Ur-Versmolder auf einem anderen Weg in den Spitzensport vorgedrungen: Durch seine Tätigkeit als Physiotherapeut im Gesundheitsforum des Sporthotels »Klosterpforte« in Marienfeld macht Daniel Berger regelmäßig Profisportler fit. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land wird Daniel Berger wie Millionen anderen Fußballfans für immer in Erinnerung bleiben. Doch weder die sportliche Brisanz des Turniers noch die einzigartige Stimmung im gesamten Land waren seine prägenden Erlebnisse: Weil die portugiesische Nationalmannschaft im Hotel »Klosterpforte« Quartier gemacht hatte, bekam der Leiter des Gesundheitsforums die Weltstars auf dem Silbertablett - sprich: auf die Massagebank - serviert. »Gerade rechtzeitig zur WM sind wir vom Klosterhof in das neue Sporthotel im Gesundheitszentrum umgezogen. Die Portugiesen waren unsere ersten Gäste«, erinnert sich Berger an die aufregenden zweieinhalb Wochen im Sommer 2006. Dabei kam er zusammen mit seinem zehnköpfigen Team so nah wie sonst kaum jemand an die Starspieler heran: »Hier war alles rigoros abgeschottet und streng bewacht. Überall sahst du Figo, Deco, Ronaldo und Co. über den Bildschirm laufen. Und bei uns hast du sie direkt vor dir auf der Massagebank liegen.« Da gerät Berger noch heute ins Schwärmen.
Dabei ist der 33-Jährige, der sich auf komplexe Wirbelsäulen- und Sportphysiotherapie spezialisiert hat, den Umgang mit Spitzensportlern durchaus gewöhnt: »Mittlerweile hat hier jede Gastmannschaft von Arminia Bielefeld residiert. Da schaut zwangsläufig der eine oder andere bei uns 'rein«, verrät Berger.
Dass der zweifache Familienvater dabei sogar den rund um die Uhr betreuten Profifußballern wieder auf die Beine helfen kann und dabei manchmal geradezu Wunderdinge vollbringt, zeigt das Beispiel Pauleta: Den Stürmerstar im Dress der portugiesischen Auswahl plagten vor seinem Aufenthalt in Marienfeld ein halbes Jahr lang hartnäckige Wirbelsäulenbeschwerden. Nur unter Medikamenten-Einsatz konnte er am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen. »Wir haben herausgefunden, dass die Schmerzursache ganz woanders lag. Durch eine ganzheitliche, spezifische Therapie habe ich die Beschwerden innerhalb von nur drei Sitzungen auf null abgebaut. Der echte Hammer«, berichtet Berger stolz von der Behandlung - die unter strengster Geheimhaltung ablief: »Von der Therapie mit mir wussten nur der Trainerstab und der Spieler selbst. Nicht einmal deren Physiotherapeuten waren eingeweiht. Die wollten unter allen Umständen Unruhe vermeiden.«
Seit mittlerweile fünfeinhalb Jahren betreibt der gebürtige Haller jetzt das eigene Physiotherapie- und Rehazentrum. Den Kontakt zu Reinhold Frie, dem Chef der »Klosterpforte«, stellte Bergers Ex-Trainer Helmut Jonscher her. Daniel Berger: »Helmut Jonscher, unter dem ich von 1994 bis 1996 für Spvg. Versmold in der Landesliga gespielt habe, hat mich bei Reinhold Frie empfohlen. Nach einem ersten Treffen war schnell klar: Das, was ich mache, fehlt der Klosterpforte. So ist dann über die Jahre neben der Praxis mit einem zehn Personen starken Team eine freundschaftliche Beziehung zu Reinhold Frie entstanden.«
Die medizinische und therapeutische Versorgung hilft heimischen Fußball-Aushängeschildern wie Oberligist FC Gütersloh 2000, aber auch Spielern des SC Verl und des SC Wiedenbrück. Die Behandlungsmethoden von Bergers Team genießen mittlerweile sogar internationales Ansehen: Von der Betreuung während eines dreiwöchigen Sommertrainingslagers in der »Klosterpforte« waren die Verantwortlichen des Clubs Al-Chor Doha aus Katar so beeindruckt, dass sie Interesse an Bergers Diensten als Physiotherapeut für Club- und Nationalmannschaft bekundeten. »Reinhold Frie und ich sind von den Scheichs für fünf Tage nach Doha eingeladen worden. Vor Ort habe ich mit ihnen eine Kooperation vereinbart, so dass wir die Behandlung der Spieler von zu Hause aus steuern und ich nur auf Abruf zur Therapie nach Doha einfliege«, erläutert Berger.
Eines nämlich hat er bei all' seinen prominenten Gästen und Patienten ganz sicher nicht vergessen: »Ohne das aufgebaute Vertrauen zu unseren Patienten aus nächster Umgebung und deren Mund-zu-Mund-Empfehlung würde unser gesamtes Therapiekonzept nicht funktionieren. Das ist unser Fundament, die Betreuung der Spitzensportler lediglich eine schöne Zugabe«, stellt Daniel Berger klar.

 

Artikel vom 10.10.2007

 

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»TBV Deutschland« obenauf

 

Deutsche WM-Helden tauen erst spät auf und entscheiden dann das Spiel

 

Von Marcel Bohnensteffen
Halle (WB). Gerade sieben Wochen ist es her, als die Nationalspieler beider Teams während der Handball-Weltmeisterschaft in Halle Anlauf auf die begehrte Trophäe nahmen. Bei der Rückkehr ins Gerry-Weber-Stadion standen besonders die WM-Stars unter Beobachtung.
Deutsche, Ungarn, und Isländer auf der einen, Dänen, Polen und Kroaten auf der anderen Seite: Das Spitzenspiel in der Handball-Bundesliga zwischen TBV Lemgo und SG Flensburg-Handewitt brachte mehr als nur einen Hauch an Weltmeisterschafts-Flair zurück in die Haller WM-Arena. Insgesamt sechs Weltmeister, ein Vize-Weltmeister, und weitere neun WM-Teilnehmer standen sich auf dem Parkett des Gerry-Weber-Stadions gegenüber.
Dabei schien einer in der Anfangsviertelstunde genau dort weitermachen zu wollen, wo er am 22. Januar aufgehört hatte: Bei der WM-Vorrundenpartie Deutschland gegen Polen hatte Marcin Lijewski noch zu den Hauptgaranten für die erste und einzige Turnier-Niederlage des späteren Weltmeisters gezählt.
Und auch diesmal schien der wurfgewaltige Linkshänder in Flensburger Diensten dem Spiel mit vier der ersten acht SG-Toren seinen Stempel aufdrücken zu wollen. Da auch der zweite »WM-Shooter«, Kroatiens Blazenko Lackovic, zu Beginn stach, zog Flensburg auf und davon.
Allenfalls der Tscheche Filip Jicha, zweitbester Torjäger der gesamten WM-Endrunde, hielt seine Farben mit am Ende elf Treffern im Spiel.
Von den deutschen WM-Helden war bis dato nichts zu sehen. Schwarzer, Kehrmann, Preiß und Baur fanden nur schwergängig ins Spiel, blieben in den ersten 30 Minuten allesamt blass.
In Durchgang zwei dann ein völlig anderes Bild: Lemgos »Hexer« Jörg Zereike entnervte den SG-Rückraum um Lijewski und Lackovic mit zahlreichen Glanzparaden. Da zudem SG-Regisseur Joachim Boldsen, WM-Dritter mit Dänemark, verletzt ausschied und sich zu seinem wegen einer Blessur nicht eingesetzten Landsmann Lars Christiansen gesellte, bröckelte das Gäste-Spiel dahin. Dafür war die Stunde der deutschen Weltmeister gekommen: Kehrmann explodierte mit fünf Toren nach der Pause, Baur führte klug Regie, Schwarzer, bis dahin glücklos im Abschluss, markierte die entscheidenden Treffer zum 29:26 und 30:26. »TBV Deutschland« war 'mal wieder obenauf. Bundessport

 

Artikel vom 12.03.2007

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Fans feiern mit
Titel-Tanz und
Freudentränen

 

Rauschende WM-Party in Versmold

 

Von Marcel Bohnensteffen

 

Aktkreis (WB). 19 000 Zuschauer in der Köln-Arena, Millionen Handballfans vor den Bildschirmen: Das Finale der Handball-Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Polen zieht eine ganze Nation in den Bann. Auch im heimischen Altkreis ist WM-Party angesagt: Rund 400 begeisterte Besucher verfolgen die Titel-Krönung des DHB-Teams im Versmolder Altstadthotel.
Es ist 16.25 Uhr, noch fünf Minuten bis zum Anpfiff. Der große Saal in Versmolds Vorzeigeresidenz gleicht einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer. Etwa 400 heimische Handbalfans bejubeln das Einlaufen des deutschen Teams auf Großbildleinwand und stimmen lautstark in die Nationalhymne ein. Für sie steht schon jetzt fest: Deutschland wird Weltmeister!
Auch die Brüder Jonas und Jannik Mittendorf haben sich samt Fahne, Trikot und Gesichtsbemalung in die dichten Zuschauerreihen gedrängelt: »Deutschland gewinnt knapp mit zwei Toren«, so ihr Tipp. Ein Versmolder Handball-Urgestein erwartet dagegen einen souveräneren Auftritt der deutschen Auswahl: »Die werden das Ding locker nach Hause schaukeln«, spekuliert Manfred Biela, früherer Oberliga-Torwart der Spvg., auf einen entspannten Handball-Nachmittag.
16.45 Uhr, es läuft die zwölfte Spielminute: Dank eines bärenstarken Hennig Fritz im Tor und einer Gegenstoßwelle von Thorsten Jansen und Co. erwischt Gastgeber Deutschland einen Blitzstart, zieht auf 8:3 davon. Das Altstadthotel entwickelt sich zu einem »Hexenkessel«, keinen hält es mehr auf den Sitzen: »Deutschlaaaaand, Deutschlaaaaand, Deutschlaaaaand, Deutschlaaaaand«, animiert durch Stimmungsmacher Horst Grube und DJ Dirk Tabor ertönen erste Siegesgesänge. Beim 17:13-Pausenstand gönnen sich Hartmut Westmeier und Dieter Hölmer, einst gemeinsam für Versmold in der Oberliga aktiv, ein genüssliches Halbzeitbier - alles deutet auf die Vollendung des »Wintermärchens« hin.
Doch dann stockt den Versmolder Handballfans auf einmal der Atem: Es ist 17.29 Uhr, als Keeper Henning Fritz kurz nach dem Seitenwechsel bei einer Parade wegknickt, verletzt am Boden liegt und nicht mehr weiterspielen kann. Für ihn kommt Deutschlands Nummer zwei, Johannes Bitter, zwischen die Pfosten. Sofort ertönen »Jogi, Jogi«-Anfeuerungsrufe, doch der Schock über den Ausfall des Leistungsträgers scheint nicht nur die Begeisterung im Altstadthotel zu lähmen. Auch die deutsche Mannschaft ist sichtlich verunsichert. Da ihr trotz zwischenzeitlicher doppelter Überzahl nur ein Treffer gelingt, holt Polen Tor um Tor auf. Beim 22:21 in der 45. Minute ist der einstige Sieben-Tore-Vorsprung fast aufgebraucht.
Ungewollt sind die Anhänger gegen Ende des Spiels einer Zitterpartie ausgesetzt. Laute Jubelschreie nach Paraden des immer stärker werdenden Bitters wechseln sich mit verzweifelten Ausrufen nach Fehlwürfen von Christian Zeitz ab.
Doch die DHB-Auswahl kämpft sich zurück ins Spiel: Zwei Tore von Thorsten Jansen bringen einen 26:22-Vorsprung. Als kurz darauf Florian Kehrmann die 28:23-Entscheidung erzielt, wird das Altstadthotel zum Tollhaus, die Begeisterung kennt keine Grenzen mehr: Fremde Menschen liegen sich in den Armen, einige Anhänger können sich eine Träne nicht verkneifen. Loxtens Handball-Obmann Horst Grube feiert den WM-Titel samt Lebensgefährtin und Tochter mit einem Tänzchen. Die übrige Fanschar setzt bei der Siegerehrung und Pokalübergabe zu »La Ola« an. Zum Abschluss einer begeisternden Final-Party ertönt aus 400 Kehlen der WM-Song, den man noch lange mit dem »Wintermärchen« in Verbindung bringen wird: »Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht hier, sag mir wo und wann.«

 

Artikel vom 05.02.2007

 

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Fußball als Schulfach

»Kicken« bald auf dem Stundenplan

 

Fußball soll an allen 19 Grundschulen im Altkreis Halle fester Bestandteil werden

 

Von Marcel Bohnensteffen
Altkreis Halle/Frankfurt/Düsseldorf (WB). Montagmorgen: 1. Stunde Mathe. 2. Stunde: Deutsch und dann - Fußball. Auch für die etwa 4000 Schüler der 19 Grundschulen im Altkreis Halle könnte in Zukunft ein neues Lieblingsfach auf dem Stundenplan stehen. In einer Kooperation mit den Landes-Schulministerien will der Deutsche Fußball Bund den Fußball deutschlandweit gezielter in den Unterricht der Grundschulen integrieren und die Kleinsten für die Sportart begeistern.

»Wir haben das kurz- und mittelfristige Ziel, an Grundschulen quantitativ und qualitativ besseren Fußball anzubieten«, erklärt Wolfgang Staab, Fachbeauftragter der Abteilung »Schul-Fußball« beim DFB. Präsident Dr. Theo Zwanziger höchstpersönlich habe dieses Thema zur »Chefsache« erklärt und trete als Schirmherr der bundesweiten Kooperation auf. »Wir haben in ganz Deutschland etwa 17 000 Grundschulen. Bis Weihnachten werden alle von uns mit dem notwendigen Know-How wie Bällen und Trainingsleibchen ausgestattet«, erhofft sich Wolfgang Staab eine Initialzündung. Dabei gibt er sich aber keinerlei Illusionen hin: »Wir greifen nicht nach den Sternen und sagen, dass Fußball ein neues Schulfach werden muss. Vielmehr wollen wir möglichst früh Kinder für Sport und Bewegung begeistern. Ein >Kicken< auf dem Pausenhof ist da schon ein Anfang.«
Begeistert von der Idee, den Fußball als festen Bestandteil in den Schulunterricht zu integrieren, ist auch Erika Puhlmann, Schulleiterin an der Grundschule Gartnisch in Halle: »Diese Maßnahme ist ein Segen und ganz wichtig für das soziale Miteinander. So lernen die Kinder, sich an Regeln zu halten und Niederlagen zu verkraften.« Nur das Fußballspielen auf dem Pausenhof hat die Direktorin verboten: »Das schürt nur Aggressionen und ist dem Sozialgefüge nicht dienlich.« Der einzige Haken für sie an der Sache ist, dass ihre Schule bisher nur aus den Medien von dem Vorhaben des Schulministeriums weiß und nicht von offizieller Seite informiert wurde: »Wir erfahren immer als Letzte von solchen Dingen«, beschwert sich Erika Puhlmann.
Diese Beschwerde erachtet Herbert Spies vom NRW-Schulministerium in Düsseldorf nicht als besonders schlimm: »Bei mehr als 3000 Schulen in NRW wäre der organisatorische Aufwand, alle Schulen einzeln zu benachrichtigen, riesengroß. Außerdem ist die Medienpräsenz ja vorhanden. Wenn die Schulen aus der Zeitung von der Kooperation erfahren, ist das nicht weiter tragisch«, verteidigt er die Informationspolitik des Ministeriums. Auch Wolfgang Staab garantiert, dass von Seiten des DFB noch eine ausführliche Informationsleistung folgen wird: »Von der ersten Novemberwoche an werden wir in jedem Landesverband eine Auftaktveranstaltung durchführen, bei der wir das Projekt ausführlich vorstellen werden.« Eine Medieninformation sei zwar immer etwas problematisch, dafür profitierten die Schulen aber auch von diesem Projekt. »Außerdem liegt es Dr. Zwanziger am Herzen, dass die Schulen nicht einfach mit Postpaket beliefert werden, sondern dass ein Vertreter aus dem jeweiligen Fußballkreis in die Schulen geht, die Schulleitungen umfangreich informiert, unsere Hilfe signalisiert und eine enge Zusammenarbeit anbietet.« Optimistisch, eine grundlegende Verbesserung zur Jugendförderung auf den Weg gebracht zu haben, ist der DFB:
»Wer weiß, vielleicht spricht man irgendwann nicht mehr von Straßen- sondern von Schulfußballern«, erhofft sich Wolfgang Staab einige hoffnungsvolle Talente auf den Spuren von »Poldi« und »Schweini«.

 

Artikel vom 21.10.2006

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