Fans feiern mit
Titel-Tanz und
Freudentränen

 

Rauschende WM-Party in Versmold

 

Von Marcel Bohnensteffen

 

Aktkreis (WB). 19 000 Zuschauer in der Köln-Arena, Millionen Handballfans vor den Bildschirmen: Das Finale der Handball-Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Polen zieht eine ganze Nation in den Bann. Auch im heimischen Altkreis ist WM-Party angesagt: Rund 400 begeisterte Besucher verfolgen die Titel-Krönung des DHB-Teams im Versmolder Altstadthotel.
Es ist 16.25 Uhr, noch fünf Minuten bis zum Anpfiff. Der große Saal in Versmolds Vorzeigeresidenz gleicht einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer. Etwa 400 heimische Handbalfans bejubeln das Einlaufen des deutschen Teams auf Großbildleinwand und stimmen lautstark in die Nationalhymne ein. Für sie steht schon jetzt fest: Deutschland wird Weltmeister!
Auch die Brüder Jonas und Jannik Mittendorf haben sich samt Fahne, Trikot und Gesichtsbemalung in die dichten Zuschauerreihen gedrängelt: »Deutschland gewinnt knapp mit zwei Toren«, so ihr Tipp. Ein Versmolder Handball-Urgestein erwartet dagegen einen souveräneren Auftritt der deutschen Auswahl: »Die werden das Ding locker nach Hause schaukeln«, spekuliert Manfred Biela, früherer Oberliga-Torwart der Spvg., auf einen entspannten Handball-Nachmittag.
16.45 Uhr, es läuft die zwölfte Spielminute: Dank eines bärenstarken Hennig Fritz im Tor und einer Gegenstoßwelle von Thorsten Jansen und Co. erwischt Gastgeber Deutschland einen Blitzstart, zieht auf 8:3 davon. Das Altstadthotel entwickelt sich zu einem »Hexenkessel«, keinen hält es mehr auf den Sitzen: »Deutschlaaaaand, Deutschlaaaaand, Deutschlaaaaand, Deutschlaaaaand«, animiert durch Stimmungsmacher Horst Grube und DJ Dirk Tabor ertönen erste Siegesgesänge. Beim 17:13-Pausenstand gönnen sich Hartmut Westmeier und Dieter Hölmer, einst gemeinsam für Versmold in der Oberliga aktiv, ein genüssliches Halbzeitbier - alles deutet auf die Vollendung des »Wintermärchens« hin.
Doch dann stockt den Versmolder Handballfans auf einmal der Atem: Es ist 17.29 Uhr, als Keeper Henning Fritz kurz nach dem Seitenwechsel bei einer Parade wegknickt, verletzt am Boden liegt und nicht mehr weiterspielen kann. Für ihn kommt Deutschlands Nummer zwei, Johannes Bitter, zwischen die Pfosten. Sofort ertönen »Jogi, Jogi«-Anfeuerungsrufe, doch der Schock über den Ausfall des Leistungsträgers scheint nicht nur die Begeisterung im Altstadthotel zu lähmen. Auch die deutsche Mannschaft ist sichtlich verunsichert. Da ihr trotz zwischenzeitlicher doppelter Überzahl nur ein Treffer gelingt, holt Polen Tor um Tor auf. Beim 22:21 in der 45. Minute ist der einstige Sieben-Tore-Vorsprung fast aufgebraucht.
Ungewollt sind die Anhänger gegen Ende des Spiels einer Zitterpartie ausgesetzt. Laute Jubelschreie nach Paraden des immer stärker werdenden Bitters wechseln sich mit verzweifelten Ausrufen nach Fehlwürfen von Christian Zeitz ab.
Doch die DHB-Auswahl kämpft sich zurück ins Spiel: Zwei Tore von Thorsten Jansen bringen einen 26:22-Vorsprung. Als kurz darauf Florian Kehrmann die 28:23-Entscheidung erzielt, wird das Altstadthotel zum Tollhaus, die Begeisterung kennt keine Grenzen mehr: Fremde Menschen liegen sich in den Armen, einige Anhänger können sich eine Träne nicht verkneifen. Loxtens Handball-Obmann Horst Grube feiert den WM-Titel samt Lebensgefährtin und Tochter mit einem Tänzchen. Die übrige Fanschar setzt bei der Siegerehrung und Pokalübergabe zu »La Ola« an. Zum Abschluss einer begeisternden Final-Party ertönt aus 400 Kehlen der WM-Song, den man noch lange mit dem »Wintermärchen« in Verbindung bringen wird: »Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht hier, sag mir wo und wann.«

 

Artikel vom 05.02.2007

 

16.7.08 11:15

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