Die Fußball-Stars auf der Massagebank

 

Physiotherapeut Daniel Berger betreut die Profis - WM-Star Pauleta nach geheimer Therapie wieder fit

 

Von Marcel Bohnensteffen
(Text und Foto)
Versmold/Marienfeld (WB). Wie jeder Nachwuchskicker träumte auch er von einer glorreichen Profikarriere, von der C- bis zur A-Jugend stand er im Trikot des DSC Arminia Bielefeld vor dem Sprung auf die ganz große Fußballbühne. Doch eine Verletzungsmisere machte Daniel Berger frühzeitig einen Strich durch die Rechnung.

Stattdessen ist der Ur-Versmolder auf einem anderen Weg in den Spitzensport vorgedrungen: Durch seine Tätigkeit als Physiotherapeut im Gesundheitsforum des Sporthotels »Klosterpforte« in Marienfeld macht Daniel Berger regelmäßig Profisportler fit. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land wird Daniel Berger wie Millionen anderen Fußballfans für immer in Erinnerung bleiben. Doch weder die sportliche Brisanz des Turniers noch die einzigartige Stimmung im gesamten Land waren seine prägenden Erlebnisse: Weil die portugiesische Nationalmannschaft im Hotel »Klosterpforte« Quartier gemacht hatte, bekam der Leiter des Gesundheitsforums die Weltstars auf dem Silbertablett - sprich: auf die Massagebank - serviert. »Gerade rechtzeitig zur WM sind wir vom Klosterhof in das neue Sporthotel im Gesundheitszentrum umgezogen. Die Portugiesen waren unsere ersten Gäste«, erinnert sich Berger an die aufregenden zweieinhalb Wochen im Sommer 2006. Dabei kam er zusammen mit seinem zehnköpfigen Team so nah wie sonst kaum jemand an die Starspieler heran: »Hier war alles rigoros abgeschottet und streng bewacht. Überall sahst du Figo, Deco, Ronaldo und Co. über den Bildschirm laufen. Und bei uns hast du sie direkt vor dir auf der Massagebank liegen.« Da gerät Berger noch heute ins Schwärmen.
Dabei ist der 33-Jährige, der sich auf komplexe Wirbelsäulen- und Sportphysiotherapie spezialisiert hat, den Umgang mit Spitzensportlern durchaus gewöhnt: »Mittlerweile hat hier jede Gastmannschaft von Arminia Bielefeld residiert. Da schaut zwangsläufig der eine oder andere bei uns 'rein«, verrät Berger.
Dass der zweifache Familienvater dabei sogar den rund um die Uhr betreuten Profifußballern wieder auf die Beine helfen kann und dabei manchmal geradezu Wunderdinge vollbringt, zeigt das Beispiel Pauleta: Den Stürmerstar im Dress der portugiesischen Auswahl plagten vor seinem Aufenthalt in Marienfeld ein halbes Jahr lang hartnäckige Wirbelsäulenbeschwerden. Nur unter Medikamenten-Einsatz konnte er am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen. »Wir haben herausgefunden, dass die Schmerzursache ganz woanders lag. Durch eine ganzheitliche, spezifische Therapie habe ich die Beschwerden innerhalb von nur drei Sitzungen auf null abgebaut. Der echte Hammer«, berichtet Berger stolz von der Behandlung - die unter strengster Geheimhaltung ablief: »Von der Therapie mit mir wussten nur der Trainerstab und der Spieler selbst. Nicht einmal deren Physiotherapeuten waren eingeweiht. Die wollten unter allen Umständen Unruhe vermeiden.«
Seit mittlerweile fünfeinhalb Jahren betreibt der gebürtige Haller jetzt das eigene Physiotherapie- und Rehazentrum. Den Kontakt zu Reinhold Frie, dem Chef der »Klosterpforte«, stellte Bergers Ex-Trainer Helmut Jonscher her. Daniel Berger: »Helmut Jonscher, unter dem ich von 1994 bis 1996 für Spvg. Versmold in der Landesliga gespielt habe, hat mich bei Reinhold Frie empfohlen. Nach einem ersten Treffen war schnell klar: Das, was ich mache, fehlt der Klosterpforte. So ist dann über die Jahre neben der Praxis mit einem zehn Personen starken Team eine freundschaftliche Beziehung zu Reinhold Frie entstanden.«
Die medizinische und therapeutische Versorgung hilft heimischen Fußball-Aushängeschildern wie Oberligist FC Gütersloh 2000, aber auch Spielern des SC Verl und des SC Wiedenbrück. Die Behandlungsmethoden von Bergers Team genießen mittlerweile sogar internationales Ansehen: Von der Betreuung während eines dreiwöchigen Sommertrainingslagers in der »Klosterpforte« waren die Verantwortlichen des Clubs Al-Chor Doha aus Katar so beeindruckt, dass sie Interesse an Bergers Diensten als Physiotherapeut für Club- und Nationalmannschaft bekundeten. »Reinhold Frie und ich sind von den Scheichs für fünf Tage nach Doha eingeladen worden. Vor Ort habe ich mit ihnen eine Kooperation vereinbart, so dass wir die Behandlung der Spieler von zu Hause aus steuern und ich nur auf Abruf zur Therapie nach Doha einfliege«, erläutert Berger.
Eines nämlich hat er bei all' seinen prominenten Gästen und Patienten ganz sicher nicht vergessen: »Ohne das aufgebaute Vertrauen zu unseren Patienten aus nächster Umgebung und deren Mund-zu-Mund-Empfehlung würde unser gesamtes Therapiekonzept nicht funktionieren. Das ist unser Fundament, die Betreuung der Spitzensportler lediglich eine schöne Zugabe«, stellt Daniel Berger klar.

 

Artikel vom 10.10.2007

 

18.7.08 00:10

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Gordilein / Website (18.7.08 18:05)
Sehr beeindruckend dein fundiertes Fußballwissen! Aber meinst du nicht : "einen Strich durch die Rechnung machen" - dazu würde Herr Gäbler sagen: "Floskel"...bah;-)

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen